FRIESHEIMS GESCHICHTE (Im Juli 2011)

Von Dieter Hoffsümmer

In der jüngeren Eisenzeit, der Latènezeit (um 500 vor Chr. bis um Christi Geburt), gab es bei  Friesheim bereits eine sesshafte bäuerliche Bevölkerung. Bei Luftaufnahmen wurden mehrere eisenzeitliche Kreisgräber in der Nähe Friesheims erkannt, und 1977 in einer Kiesgrube zwei eisenzeitliche Urnengräber gefunden. 

Als die Römer um 50 v. Chr. Germanien eroberten und sich hier für etwa 400 Jahre niederließen, fanden sie keine menschenleere Gegend vor, sondern trafen auf diese intakte bäuerliche Gesellschaft, die sich nun mit ihnen arrangieren musste. Auch die Römer betrieben Landwirtschaft zur eigenen und zur Versorgung des Militärs. Daneben gab es Handwerksbetriebe für die vielfältigen Bedürfnisse der Menschen. 

Im Tal von Rot- und Bleibach, unterhalb des Judenfriedhofes, lag eine Siedlung, deren Bewohner als Töpfer arbeiteten. In den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden bei Kiesabbauarbeiten mehrere Töpferöfen ausgegraben, die zu diesem großen Töpfereibezirk gehört haben. Die Funde wurden  überwiegend ins 1. Jahrhundert nach Chr. datiert. Einige der gefundenen Tontöpfe und Schüsseln sind im Münstereifeler Heimatmuseum ausgestellt. 

Abb. 1: In Friesheim gefundener römischer Vorratstopf, heute ausgestellt im Heimatmuseum Münstereifel

Römische Gräber wurden im Bereich Alter Sportplatz/Effertzburg, der Burg Redinghoven und der ehemaligen Kiesgrube am Niederweg gefunden. Die meisten Funde liegen in der Nähe der alten Bleistraße, die von Wichterich über Niederberg kommend an Friesheim vorbeiging und vor Ahrem auf die große römische Fernverbindungsstraße Köln – Zülpich - Trier traf. Auch in der Nähe des Hover Hofes liegt eine römische Trümmerstelle. 1982 wurde in der Kiesgrube zwischen Friesheim und Niederberg ein den Matronen Vanginehae geweihter Matronenstein gefunden. Matronen waren Muttergottheiten, die von den Römern verehrt wurden. 

Abb. 2: Matronenstein der Vanginehae

Um die Fernstraßen zu sichern und das Eindringen der Germanen zu verhindern, bauten die Römer an den Straßen Wehranlagen, "burgus" genannt. Diese fast quadratischen Beobachtungsstände von etwa 50 m Seitenlänge waren mit einem Graben, Holzpalisaden oder einem Wall umgeben und meist mit einem Turm ausgestattet. Das Innere des Burgus war für den Aufenthalt der Besatzung und als Getreidespeicher geeignet. Ein solcher Burgus hat neben der Römerstraße  zwischen Erp und Friesheim in der Nähe des heutigen Hover Hofes gestanden. 

Als im Laufe des 3. Jahrhunderts immer häufiger Germanen über den Rhein und über die römischen Fernstraßen zu Beutezügen ins Land eindrangen, bauten viele Römer ihre verwüsteten oder verbrannten Höfe nicht mehr auf und zogen fort. Das Zurückweichen der Römer geschah nicht abrupt, sondern zog sich über einen langen Zeitraum hin. Die Franken wanderten ein. Weite Teile des Landes gehörten nach 450 n. Chr., als die Franken das Land endgültig in Besitz genommen hatten, dem König. Die Flurbezeichnung „am Königsacker“ zwischen Ahrem und Friesheim belegt, dass der König in unserem Gebiet über Grundbesitz verfügte. Ein weiterer Hinweis auf Königsbesitz ist das Patrozinium der Kirche. Sie ist Martinus, dem Schutzpatron der Franken geweiht und wurde wahrscheinlich auf Königsgut als Eigenkirche eines Fronhofes errichtet. 

Es ist möglich, dass zu dieser Zeit der Ortsname Friesheim entstanden ist. Die Endung –heim verweist auf eine Namensgebung in fränkischer Zeit. Die Herkunft des Ortsnamens ist nicht zu klären, gab es doch mehrere Orte dieses oder ähnlichen Namens. Mit ziemlicher Sicherheit kann man sagen, dass sich der Name Friesheim nicht aus Frigbodesheim entwickelt hat, wie zeitweise angenommen worden ist, denn Frigbodesheim lag im Swistgau in der Bonner Grafschaft, Friesheim im Zülpichgau. 

In der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts war Friesheim im Besitz des Grafen Emundus, eines Adeligen, der aus einer der mächtigen und einflussreichen Familien im Karolingerreich, der so genannten Reichsaristokratie, stammte. Vor seinem Tode um 830 n. Chr. schenkte er sein Friesheimdem heiligen Petrus, d.h. der Kölner Kirche. Eine Gedenkplatte hierüber befindet sich an einem Pfeiler im linken Seitenschiff des Kölner Domes. 866 n. Chr. kam bei einer Güterteilung das Dorf vom Kölner  Erzbischof in den Besitz des Kölner Domstiftes. 

Abb. 3: Grab des Grafen Emundus unter dem Kölner Dom

In einer Urkunde des Stadtarchivs Köln steht, dass der Höfeverband Friesheim um das Jahr 1000 n. Chr. verpflichtet war, an verschiedenen Terminen (Fastenzeit, Ostern, Mitte Mai, Pfingsten, St. Thomas) Naturalabgaben wie Getreide, Gemüse, Äpfel, Honig, Schweine, Schafe, eine Kuh, einen Eber, einen Eimer, ein Hirschleder, ein Kissen, ein Tischtuch und ein weiteres Leder an das Domstift zu Köln zu liefern.  Die Lieferungen dienten zum Lebensunterhalt der Domkanoniker und des Dompropstes. Auf dem Haupthof in Friesheim wurden Felle gegerbt und Textilien hergestellt. Erverfügte über ein Brauhaus mit Sudpfannen. Es wurden Malz und Bier nach Köln geliefert. Diese Urkunde ist eines der ältesten Dokumente über das Bierbrauen im Rheinland. 

Das Domkapitel setzte adelige Laien, Vögte genannt, als seine Vertreter in weltlichen Angelegenheiten ein. Zu den Aufgaben der Vögte gehörte auch die Rechtsprechung, vor allem leiteten sie das Hochgericht, welches auch die Todesstrafe verhängen konnte. Das Domkapitel als geistliche Institution durfte diese nicht selbst aussprechen. Den Vögten gelang es im Laufe der Zeit, große Teile des Besitzes,  den sie eigentlich als Dienstgüter innehatten, an sich zu bringen. Sie wurden zu Lehnsgütern und konnten an ihre Nachkommen vererbt werden. 

Einer der Vögte, der Anfang des 14. Jahrhunderts lebte, war Heinrich von der Hoven. Seine Burg lag in der Nähe der Römerstraße Köln - Zülpich - Trier im Bereich des heutigen Hover Hofes. Sein Nachfolger, Vogt Hermann von der Hoven, bewohnte 1342 n. Chr. eine Burg mit Vorburg und Wassergräben im Niederwich. 

Um 1428 bis 1430 ließ das Domkapitel ein neues Herrenhaus als Wohnsitz für Aufenthalte seiner Vertreter erbauen. Die Vorburg mit den Hofländereien war der Fronhof oder Burghof. Er wurde nach dem Domkanoniker und Amtmann zu Friesheim Wolter von Brüggen, dem Mitte des 15. Jahrhunderts die Einkünfte des Hofes zustanden, „Brügger Hof“ genannt. Der Pächter des Burghofes war „Baumeister“ des Domkapitels und hatte die Aufgabe, die Einkünfte des Domkapitels einzutreiben, abzuliefern und eine Rechnung aufzustellen. 

Das Domkapitel setzte etwa ab dem 15. Jahrhundert Schultheißen ein, die dem Gericht vorstanden und zusammen mit den Schöffen Recht sprachen. Der Schultheiß besaß jedoch nicht mehr die früheren weit reichenden Rechte eines Vogtes. Zu wichtigen Verhandlungen kamen Domkanoniker und Juristen in das Dorf. Das Gericht tagte im „Dinghaus“ am Platz (heute Hubert-Vilz-Platz). Es wird 1428 n. Chr. erstmals genannt, doch muss es da schon längere Zeit bestanden haben, weil Reparaturen erwähnt  werden. Ende des 18. Jahrhunderts existierte ein Rathaus, in dem auch Gefangene untergebracht werden konnten. Dem Schultheiß zur Seite standen die Scheffen, die Friesheimer Bürger waren.  

Abb. 4: Siegel der Scheffen von Friesheim von1465

Die Rechte des Domkapitels und die Pflichten der Einwohner waren in einem sogenanntem „Weistum“ niedergeschrieben, das dreimal jährlich an den Gerichtstagen den Bewohnern vorgelesen wurde. Auch die Müller und Gastwirte mussten dann erscheinen, um ihre Maße überprüfen zu lassen. 

Friesheim hat sich aus zwei voneinander getrennten Siedlungen, dem eigentlichen Dorf und dem Niederwich entwickelt. „Im Niederwich“ war bis ins 18. Jahrhundert keine Straßenbezeichnung, sondern umfasste den Teil des Ortes, der außerhalb der Dorfbefestigung lag. Es fehlen frühmittelalterliche Quellen, die Auskunft geben könnten, wann und wie die beiden getrennten Siedlungen entstanden sind. Im 14. Jahrhundert lagen mehrere Burgen, Häuser und Hofstätten im Niederwich. Die bedeutendste Burg war „das Braunsgut“, die Vorgängerburg von Burg Redinghoven. Die von Wassergräben umgebenen Areale des untergegangenen Steprather Hofes und des Gutes von Winrich Koch gehören heute zur Burg Redinghoven. Untergegangen sind ferner Haus und Hofgebäude des Heilig-Geist-Hauses (Hospital) in Köln, Haus und Hof der Kölner Minoriten in der Nähe des Kölntores und ein Hof der Johanniter. 

Abb. 5: Redinghover Burg mit Grabensystemen vom Steprather und Kochs Gut. Darunter Effertzburg und Pittinger Hofplatz. Auch zu erkennen die Verlegung des Rot/Bleibachbettes. 

Urkunden geben keine Auskunft, wie viele Häuser insgesamt im Niederwich lagen. Wahrscheinlich sind die Häuser und Hofstätten im Niederländischen Krieg Ende des 16. Jahrhunderts zerstört worden, denn sie werden im 17. Jahrhundert nicht mehr erwähnt. Nach den Aufzeichnungen des Kölner Ratsherrn Hermann von Weinsberg wurden 1591 n. Chr. drei Höfe und 17 Häuser zerstört. 

Auch das im Niederwich gelegene Burghaus des Domkapitels (Effertzburg), von dem bis vor einigen Jahrzehnten noch Reste der Kellergewölbe erhalten waren, wurde damals zerstört und danach nicht wieder aufgebaut. 

Möglicherweise wurde später die Bezeichnung „Burg“ auf die Vorburg übertragen, die nach einem Pächter „Evertzburghof“ genannt wurde, woraus sich die Bezeichnung „Effertzburg“ entwickelte

Das Dorf war vom Mittelalter bis ins 18. Jahrh. von einem Graben und einer Dorfhecke umgeben. Vier Tore, Kölner Pforte, Erper Pforte, Busch- oder Berger Pforte, Zülpicher Pforte gewährten Zutritt. Der Name der Zülpicher Pforte lebt heute noch im Sprachgebrauch der Friesheimer fort: „an de Zöllesche Poaz“. 

Die Darstellung der sieben Burgen von Peter Simons in der Friesheimer Chronik muss nach heutiger Erkenntnis als überholt gelten. Simons hat die Bodenvertiefungen auf einer Karte des Geometers Kuckelkorn aus dem Jahre 1810 nachgezeichnet, daraus sieben Burgen berechnet und ihnen Namen gegeben. Betrachtet man die Karte genauer, sieht man mindestens 10 Grabensysteme. Es ist nicht mehr möglich,  alle Burgen und Lehnshöfe, die innerhalb und außerhalb der Dorfbefestigung lagen, zu lokalisieren. Aufgrund der Urkundenlage kann man aber von etwa fünfzehn wasserumwehrten Anlagen ausgehen, die jedoch nicht alle zur gleichen Zeit existiert haben. 

Abb. 6: Die französische Katasterkarte zeigt die Dorfsituation um 1800

Viele Adelshöfe bestanden schon im 16. und 17. Jahrhundert nur noch aus einem Hofplatz ohne Gebäude und aus Ackerland. Die Erhaltung oder gar ein Neubau von Hofgebäuden lag nicht mehr im Interesse der Besitzer, die meist nicht in Friesheim wohnten. Sie waren nur am Ertrag der Ländereien und ihren daraus resultierenden Einkünften interessiert. Um 1600 n. Chr. gab es drei Adelssitze mit besonderer Bedeutung, weil deren Besitzer berechtigt waren, am Kurkölnischen Landtag teilzunehmen: im Dorf die Wymars Burg und die Weiße Burg, außerhalb der Befestigung das Brauns Gut im Niederwich. 

Die Krahesburg ließ Schultheiß Saur 1727 errichten. Er verkaufte sie später an Schultheiß Krahe, von dem sie ihren heutigen Namen erhielt. 

Außerhalb der Dorfbefestigung lag der Hof der Kölner Margarethenkapelle. 1668 wird er „Weißer Hof“ genannt. Im Zuge der Säkularisation 1802 ging der Hof in privaten Besitz (Zens/Strick) über.

Eine Schwarze Burg hat es nicht gegeben, wohl aber den Schwarzenberger Hof, der nach den jeweiligen Besitzern auch Aldenraths Hof, Unkelbachs Hof oder Pützkaulengut genannt wurde. Das Terrain Ecke Zülpicher/Weilerswister Straße mit einem kleinen Gebäude war noch bis in letzte Jahrhundert unter der Bezeichnung „Halfe Höffchen“ bekannt. 

Im Laufe der Jahrhunderte war Friesheim immer wieder von kriegerischen Auseinandersetzungen oder Fehden der Erzbischöfe von Köln betroffen. 1391 n. Chr. wurde der Ort durch den Grafen Engelbert von der Mark im Krieg mit Erzbischof Engelbert von Saarwerden verwüstet. Im Niederländischen Unabhängigkeitskrieg 1591 n. Chr. wurden nicht nur Häuser und Höfe in Brand gesteckt sondern auch Geiseln genommen, für deren Freilassung Lösegeld gezahlt werden musste. 

Abb. 7: Ausschnitt aus der Karte zur Belagerung Lechenichs mit Friesheim und dem brennenden Ahrem von 1642

Im 17. und 18. Jahrhundert waren die Einwohner durch häufige Einquartierung belastet, vor allem 1642 n. Chr. bei der Belagerung Lechenichs durch hessische, französische und weimarische Söldner, auch bei einer weiteren Belagerung Lechenichs 1683 n. Chr., als der Befehlshaber der Kaiserlichen Truppen sein Hauptquartier in Friesheim aufgeschlagen hatte. 

Über die Größe des Dorfes und die Dorfbewohner bis zum Ende des 18. Jahrhunderts ist wenig bekannt. Die Einwohner lebten überwiegend von der Landwirtschaft. Bis ins 19. Jahrhundert waren die Ernteerträge häufig durch Misswuchs oder Hagelschlag gemindert. Die an den Bächen gelegenen Wiesen, Benden genannt, waren von Wassergräben durchlaufen, aus denen an festgelegten Wochentagen Wasser auf die Benden geleitet wurde, um eine bessere Heuernte zu erzielen, eine Bewässerungsmethode, die bis in die 1950er Jahre praktiziert wurde. Die Anlieger waren verpflichtet, die Wassergräben in Ordnung zu halten, doch waren sie machtlos gegen die großen Überschwemmungen, die Rot- und Bleibach häufig verursachten und bei denen oft die Heuernte von den Fluten mitgerissen wurde. In mehreren Jahren wurden Bittschriften wegen der Hochwasserschäden eingereicht, um Steuernachlass zu erhalten, der auch gewährt wurde.

Friesheim, das im Jahre 1660 n. Chr. etwa 100 Häuser hatte, wuchs in den folgenden 100 Jahren auf 127 Bauernhäuser. 1800 n. Chr. gab es etwa 180 Haushalte.  Die Einwohnerzahl war auf etwa 820 gestiegen, davon waren 235 Kinder unter 12 Jahren. 

Die soziale Struktur des Ortes hatte sich bis zum Ende des Kurstaates Köln nicht geändert. Neben den Pächtern der großen Höfe gab es eine große Zahl kleiner Landwirte, viele Tagelöhner, einige Handwerker und Geschäfte für den täglichen Bedarf und einige Arme. Im Jahre 1800 n. Chr. hatten 56 Landwirte kleine Familienbetriebe. Bei 65 Familien waren die Männer Tagelöhner.  Über 20 Handwerker und Gewerbetreibende boten alles für den täglichen Bedarf und versorgten auch die umliegenden Orte.

Die Einwohner Friesheims wohnten in kleinen mit Stroh gedeckten Fachwerkhäusern, die leicht in Brand geraten konnten.Friesheim war in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zweimal von großen Bränden betroffen. Bei einem Dorfbrand im Jahre 1759 n. Chr. brannten 17 Häuser mit den Wirtschaftsgebäuden ab. Nach einem weiteren Dorfbrand 1768 n. Chr. erhielten die Geschädigten einen Steuererlass. Um die Brandgefahr einzudämmen, verboten die Landesherren im 18. Jahrhundert die Dacheindeckung mit Stroh und schrieben nun für die Dächer Ziegel aus Ton vor. 

In der Zeit der französischen Herrschaft, die von 1794 bis 1814 n. Chr. dauerte, wurden neue Verwaltungsbezirke nach französischem Vorbild geschaffen. Ab 1800 n. Chr. war Friesheim Sitz einer Mairie und bildete zusammen mit Borr und Niederberg eine Verwaltungseinheit. Die Mairie wurde dem Kanton Lechenich, Arrondissement Köln im Roer-Departement, mit Sitz in Aachen, zugeordnet. Abgaben und Steuern erhielt nun der französische Staat. Junge Männer wurden in die französische Armee eingezogen. Das zuständige Friedensgericht für kleine Rechtsfälle befand sich in Lechenich. Als Amtssprache war französisch vorgeschrieben. Der Besitz des Domkapitels und der anderen geistlichen Institutionen im Dorf wurde enteignet und zwischen 1808 und 1812 verkauft (Säkularisation). 

Um mehr Ackerland zu schaffen, legte die französische Behörde Rot- und Bleibach zusammen. Nur wo die Mühlen arbeiteten und Benden bewässert werden mussten, ließ man die Bäche noch getrennt  laufen. 

Abb. 8: Siegel der französischen Mairie Friesheim

1815 n. Chr. fand beim Wiener Kongress eine Neuordnung Europas statt. Preußen erhielt das Rheinland. In der Verwaltung änderte sich zunächst wenig. Aus der Mairie wurde ein Amtssitz, aus dem Kanton Lechenich der Kreis Lechenich. Die Amtsstube des Friesheimer Bürgermeisters befand sich seit 1835 n. Chr. in einem neu erbauten Schulgebäude am Markt, bis die Verwaltung 1874 n. Chr. ein eigenes Gebäude am Kreuzberg bezog. Die Infrastruktur wurde seit der Mitte des 19. Jahrhunderts durch Straßenausbau, Brückenbauten und den Bau der Kreisbahn verbessert. Die 1854 n. Chr. gebaute Landstraße Neuss - Derkum führte durch Friesheim. 1883 n. Chr. schloss sich der Bau der Straße Friesheim - Erp an. 

Die Jahrhunderte alte Kirche, die für die Gemeinde zu klein geworden war, wurde 1877 n. Chr. durch einen großen Neubau im neugotischen Stil ersetzt. 

1889 n. Chr. wurde eine steinerne Brücke über den Rotbach in der Nähe der Weißen Burg gebaut. 

Abb. 9: Die alte Friesheimer Kirche nach einer Zeichnung von Katharina Stryck.

1911 bis 1913 führte man eine erste Zusammenlegung der Ackergrundstücke durch. Dabei wurden Kleinstgrundstücke von Eigentümern zusammengelegt, überflüssige Wege entfielen. Seit 1904 bezogen die Einwohner nicht mehr das Wasser aus Brunnen oder Pützen, sondern über eine Wasserleitung aus Brühl. 1911 erfolgte der öffentliche Anschluss an das elektrische Stromnetz, 1912 wurden die Häuser mit elektrischem Licht versorgt. 1927 baute die Gemeinde ein eigenes Pumpwerk in den Dämmen am Sportplatz.

In der Zeit kurz vor und nach der Jahrhundertwende begann man sich in Vereinen zusammenzuschließen. Es entstanden Schützenverein, Männergesangverein, Turnverein, Radsportverein, Kirchenchor, Tambourcorps und Feuerwehr. Auch der Sportverein wurde in dieser Zeit gegründet. Manche Vereine lösten sich später wieder auf. 

Im Ersten Weltkrieg war der Ort selbst nicht vom Kriegsgeschehen betroffen, doch waren am Kriegsende über 40 junge FriesheimerMänner gefallen. 

In den 1930er Jahren während der Weimarer Republik waren durch die Weltwirtschaftskrise viele Friesheimer Familien von der Arbeitslosigkeit betroffen oder fürchteten um ihre wirtschaftliche Existenz. Manche von ihnen erhofften sich von Hitler eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage. Schon im Jahre 1930 wählten fast 10% NSDAP, 1932 waren es über 20%, im März 1933 erreichte die NSDAP 32% der Stimmen, doch blieb das Zentrum bei allen Wahlen mit mehr als 35% stärkste Partei. In der „Reichskristallnacht“ am 9. November 1938 wurden die Häuser und Wohnungen der jüdischen Familien demoliert und die 1861 erbaute Synagoge am Niederweg zerstört. 1941 wurden alle noch in Erp, Friesheim und Lechenich lebenden Juden in einem „Judenhaus“ in Friesheim zusammengefasst. Von den 25 Juden, die in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft in Friesheim wohnten, gelang es einigen auszuwandern, alle anderen sind in Vernichtungslagern umgebracht worden. Das war das Ende der jüdischen Gemeinde, die schon im 17. Jahrhundert nachweisbar ist. 

Der Zweite Weltkrieg machte auch vor Friesheim nicht halt. In den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges gab es fast täglich „Fliegeralarm“ beim Anflug der Geschwader auf Köln. Auch die Tieffliegerangriffe im letzten Kriegsjahr, als man nicht mehr ohne Gefahr die Landstraße befahren und die Felder bearbeiten konnte, waren für viele Einwohner eine schreckliche Erfahrung. Im November 1943 trafen Bomben alliierter Flieger das Dorf, töteten und verletzten Menschen, beschädigten Wohnhäuser. Große Teile der Weißen Burg wurden zerstört.

Am 3. März 1945 wurde das Dorf von amerikanischen Soldaten eingenommen. Mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 7. Mai 1945 war der Krieg beendet. Friesheim hatte über 100 Tote zu beklagen. 

Die ersten Nachkriegsjahre sind auf dem Lande nicht so schlimm empfunden worden wie von den Städtern, da sich dort die meisten Menschen selbst ausreichend versorgen konnten. Die Gemeindeverwaltung stand jedoch vor großen Problemen. Wie überall mussten Heimatvertriebene, zumeist aus dem Osten des ehemaligen Deutschen Reiches, mit Wohnraum versorgt werden. Dazu waren die Kriegsschäden zu beheben. Die von der deutschen Wehrmacht bei Kriegsende zerstörten Rotbachbrücken wurden wieder instand gesetzt und gefährlicher Kriegsschrott beseitigt. Die Bevölkerung versuchte, in die Normalität zurückzukehren.  Vereine wurden reaktiviert oder neu gegründet, man begann wieder Fußball zu spielen und Schützenfeste zu feiern. Spontan fand man sich zusammen und feierte Straßenkarneval mit improvisierten Verkleidungen. 

Unter Bürgermeister Erich Schramm begann in den fünfziger Jahren ein deutlich sichtbarer Aufschwung für das Dorf. Schon früher als in den Nachbargemeinden wurden alle Straßen mit einer Kanalisation und mit Teerdecken versehen. Zur Ortsverschönerung ließ er kleine Grünanlagen herrichten und Bänke aufstellen. Die Rotbachufer wurden befestigt. Das Kriegerdenkmal am Rotbach, das die Gemeinde 1923 für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges errichtet hatte, wurde mit einer modernen Figur des Hl. Martinus ergänzt. 1983 wurde ein Gedenkstein für die Toten des Zweiten Weltkrieges hinzugefügt. Im Juli 2007 ließ die Dorfgemeinschaft eine weitere Steintafel mit den Namen aller Gefallenen des Zweiten Weltkrieges aufstellen.

1959 errichtete die Gemeinde ein großes neues Schulgebäude mit Klassenräumen, Fachräumen und Turnhalle am Niederweg. Es löste das alte Gebäude am Markt ab, das die Gemeinde dort 1835 erbaut hatte. 

Am Niederweg wurde durch die Gemeinde ein großes Siedlungsareal erschlossen,  das im Wesentlichen mit Eigenheimen bebaut wurde. Friesheims Entwicklung zur Wohngemeinde begann. Daneben vergrößerte sich der mit „Nippes“ bezeichnete, im Süden des Dorfes gelegene kleine Wohnbereich ständig. Auch wurden Rotbachstraße und Kriegergasse bebaut und andere Baulücken im Dorf geschlossen. Mit dem Anwachsen der Bevölkerung ging auch eine Veränderung des Erwerbsverhaltens einher. Während sich Familien früher fast ausschließlich von der Landwirtschaft ernährten, gingen nun immer mehr Einwohner Tätigkeiten als Arbeiter oder Angestellte in den großen Betrieben des Umlandes nach. Zunächst suchte man Arbeit in Lechenich oder Euskirchen, weil diese Städte mit der Kreisbahn gut zu erreichen waren. Mit zunehmender Motorisierung wechselten viele nach Köln oder in die Industrielandschaft, die sich um Knapsack und Wesseling gebildet hatte. Auch die Erwerbstätigkeit der Frauen nahm rapide zu. Gleichzeitig ging die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe zurück. Viele der früher selbständigen Bauern wurden zu Nebenerwerbslandwirten, die einem anderen Beruf nachgingen und zusätzlich noch ihre Höfe bewirtschafteten. Heute sind weniger als acht Prozent der Einwohner in der Landwirtschaft tätig. Versorgten sich früher die Einwohner selbst mit Produkten aus ihren Hausgärten, sind diese nun bis auf kleine Reste verschwunden. 

Abb. 10: Abgerissene oder veränderte Fachwerkhäuser in der Bolzengasse

In den Straßen sind noch vereinzelt die kleinen alten Fachwerkhäuser zu sehen, deren Fassaden jedoch oft verändert worden sind. Viele wurden abgerissen. Einige der großen Fachwerkbauten wie das Pfarrhaus, das Haus Fuck und das frühere Gasthaus Pafemötz stehen unter Denkmalschutz und sind in den letzten Jahren aufwändig restauriert worden.

Abb. 11: Nach etlichen Umbauten befindet sich hier heute der EDEKA- Laden

Fast alle kleinen Ladengeschäfte wurden aufgegeben. Einkäufe erledigt man überwiegend in den umliegenden Zentren. Die medizinische Versorgung der Bevölkerung hat sich  deutlich verbessert. Während man vor dem Krieg zum Arztbesuch und zur Apothekenbenutzung noch nach Lechenich musste, ist dies heutzutage nicht mehr notwendig. Arzt, Zahnarzt und Apotheke sind im Dorf vorhanden. Ein Kindergarten zur Betreuung der Kleinen wurde zunächst von der kath. Kirche betrieben, später an die Stadt Erftstadt übergeben. Die Dorffeste  wie Schützenfest und Kirmes gibt es noch, zusätzlich entstanden Pfarrfeste der beiden Kirchengemeinden, das Musikfest des Musikvereins, Karnevalssitzungen und andere mehr oder minder regelmäßig stattfindende Veranstaltungen. Die Anzahl der Gastwirtschaften nahm ständig ab. Die Ausgehgewohnheiten änderten sich. Es gibt eine Vielzahl von Vereinshäusern, in denen die Mitglieder ihre Zusammenkünfte und Feste abhalten. Nachdem die Zahl der evangelischen Mitbürger immer größer wurde, baute man 1983 ein evangelisches Gemeindezentrum mit einem Raum für Gottesdienste. 

Der Beschluss der Landesregierung NRW, die kleineren Verwaltungen zu wenigen großen Verwaltungseinheiten zusammenzufassen, brachte das Ende der Friesheimer kommunalen Selbständigkeit. Alle Anstrengungen Friesheims, seine Selbständigkeit zu erhalten oder sich mit anderen umliegenden Dörfern zusammenzuschließen, scheiterten. Seit dem 1. Juli 1969 gehört Friesheim zu der neuen Verwaltungseinheit Stadt Erftstadt. Im Rat der Stadt wird Friesheim durch gewählte Stadtverordnete vertreten. Den Kontakt zur Verwaltung hält der Ortsbürgermeister/in. 

Als Leistung der neuen Stadt für Friesheim ist der Bau eines neuen Sportplatzes zwischen Rotbach und der Landstraße nach Lechenich zu erwähnen. Ein kleines Gewerbegebiet wurde an der Straße nach Niederberg entwickelt. Im Friesheimer Busch besteht auf dem Gelände des ehemaligen belgischen Munitionsdepots seit 1998 das Umweltzentrum Friesheimer Busch mit der offiziellen Bezeichnung Umweltnetzwerk Erftstadt e.V. Ein sehr großes Neubaugebiet wurde an der Ackerstraße etwa ab 2000 geschaffen. 

Abb. 12: Hochwasser im Dorf

Sehr bedeutsam ist der Bau eines Regenrückhaltebeckens vor Niederberg durch den Erftverband. Seit dessen Fertigstellung ist die Hochwassergefahr für Friesheim und die dahinter liegenden Orte am Rotbach gebannt. Problematisch bleibt die enorme Zunahme des Verkehrs auf den Durchgangsstraßen des Ortes. Hier sind die Anwohner durch die Verlagerung der Verkehrsströme zu den  nahe gelegenen Anschlüssen der Autobahnen, zu den Bahnhöfen und dem täglichen Berufsverkehr sowie die alljährlich über vier Monate andauernden Rübentransporte zur Zuckerfabrik nach Euskirchen, enorm  belastet. 

Trotz allem sind die Vorzüge des Wohnens in Friesheim beachtlich.

Die Weite der Landschaft, große Ackerflächen  mit Getreide, Zuckerrüben und Rapsfeldern bestimmen das Bild. Lange Pappelreihen und Baum- und Buschstreifen entlang der Landstraßen und der Feldwege lockern die Landschaft auf und lassen ein abwechslungsreiches Bild entstehen. Die Bachufer sind von Gehölzen gesäumt. Auch Wiesen an den Wasserläufen gibt es noch. Der Wald liegt in erreichbarer Nähe. Die Wege durch die Felder werden nicht nur von landwirtschaftlichen Fahrzeugen befahren. Fahrradfahrer und Wanderer finden in der fast ebenen Flur gute Bedingungen vor und nutzen diese auch in hohem Maße. Nachdem die Jahrzehnte andauernde Luftverschmutzung durch die Braunkohlewerke in der Ville beendet wurde, kann man am Horizont deutlich die Höhenzuge der Voreifel mit Wäldern, Feldern und Häusern sehen. Im Osten grüßen an klaren Tagen die hohen Berge des Siebengebirges.